Bericht über Erfahrungen bei dem Einsatz als freiwilliger Helfer nach der Tornado-Katastrophe in Tuscaloosa, Alabama

Bericht wurde geschrieben von Rene Bartels. Rene ist im Führungskräftenachwuchsprogramm der BLG Logistics Group und unterstützt das Projekteteam in Tuscaloosa, Alabama vom 20. Februar bis zum 25. Mai 2011.

Nach dem Tornado am 27. April 2011 in Tuscaloosa, der Stadt in der ich während meines Einsatzes in den USA wohne und in der das BLG Logistik-Center sowie das Mercedes-Werk ansässig sind, haben wir uns Gedanken gemacht, wie man den Betroffenen hier helfen kann.

Am Freitag, den 29. April 2011 bekamen wir vom Tuscaloosa Department of Transportation die Informationen, dass wir als freiwillige Helfer uns bei einer Hilfsorganisation melden können. Daraufhin haben wir uns mit ein paar Kollegen zusammengeschlossen, Werkzeuge organisiert und uns am Samstag, den 30.04.2011 um 6 Uhr am LC getroffen. Ich war erstaunt, wie viele der Kollegen unser Bedürfnis zu helfen teilen und so fuhren wir gemeinsam zum Standort der Hilfsorganisation Samaritian`s Purse in Downtown Tuscaloosa.

Nach einer kurzen Einführung in das, was uns erwarten würde und was wir machen werden, wurden wir in Gruppen eingeteilt und mit Stadtkarten ausgestattet. Aufgrund dessen, dass das Katastrophengebiet komplett abgesperrt ist, bekamen wir eine Einfahrtserlaubnis und Verhaltens-regeln mit auf den Weg.

Wir machten uns auf den Weg in unser Einsatzgebiet, welches sich mitten in der Schneise des Tornados befindet. Auf dem Weg dorthin bekamen wir die ersten umgeknickten Bäume und beschädigten Häuser zu sehen. Im Einsatzgebiet angekommen, zeigte sich das wahre Bild der Zerstörung. Ich möchte behaupten, dass ich schon einiges gesehen habe, aber das, was dort zu sehen war, kann man kaum in Worte fassen. Wir standen auf einer Erhöhung und schauten in ein Tal hinunter, durch das der Tornado „gefegt“ war. Man hat nur noch Trümmer gesehen. Kein Haus war mehr ganz, egal ob aus Holz oder Stein gebaut. Davor sah man häufig Menschen stehen, weinend und die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen. Wir sahen Menschen, die vor den Trümmern ihrer Existenz zusammengebrochen sind. Die Woche zuvor war ich in dieser Gegend unterwegs, welche wirklich sehr grün und schön war. Doch jetzt gab es hier kein einziges Haus, geschweige denn Bäume mehr. Überall lagen Trümmer, Stromleitungen und zerstörte Autos herum.

Das erste Bild der Verwüstung...Kaum zu glauben, dass hier mal Häuser und Geschäfte standen.

Unsere erste Aufgabe bestand darin, alle Häuser in diesem Gebiet abzulaufen, die noch einigermaßen bewohnbar aussahen. Hier sollten wir mit den Besitzern sprechen und aufnehmen, welche Schäden sofort beseitigt werden müssen, damit sie weiterhin in ihren Häusern bleiben können. Das häufigste Problem hier war, dass ein Baum im Haus lag und das Dach zerstört war. Nachdem wir dies am frühen Nachmittag abgeschlossen hatten, haben wir die Dokumentation der Hilfsorganisation übergeben, welche Hilfstrupps (Dachdecker und Holzfäller) zu den betroffenen Häusern rausgeschickt hat.

Unsere nächste Aufgabe bestand darin, durch die Siedlungen zu fahren und die Menschen zu fragen, ob sie Hilfe benötigen und wenn ja, in welcher Form. Schnell kamen wir zu einer Familie, die einen Baum im Haus liegen hatte. Ein Trupp mit Kettensägen war nicht zu sehen, also starteten wir mit unseren Handsägen, den Baum zu zerschneiden und zur Straße zu transportieren. Kurz vor Fertigstellung der Arbeit an diesem Haus kam ein Kettensägentrupp vorbei, der fragte, ob wir gegenüber im Anschluss mithelfen könnten. Im gegenüberliegenden Haus wohnt eine ältere Dame, die ebenfalls einen Baum im Haus hatte. Auch hier halfen wir, den Baum zu entfernen.

Später am Nachmittag, es war ungefähr 17 Uhr, fuhren wir wieder durch die Siedlung, diesmal mitten durch die Schneise des Tornados. Wir sprachen mit Leuten, deren Häuser vollkommen zerstört waren und organisierten ihnen Kartons, in denen sie ihre letzten, aus den Trümmern geretteten, Habseligkeiten abtransportieren konnten.

Wenig später, am Rande der Schneise, kamen wir zu einem Haus, wo bereits zwei Helfer am arbeiten waren. Von der Vorderseite sah das Haus recht in Ordnung aus. Es fehlten zwar alle Fenster und das Dach war abgedeckt, aber deutlich besser als das was wir bisher gesehen hatten. Doch als wir dann auf die Rückseite gingen, sahen wir ganze 6 Bäume auf diesem liegen. Der Besitzer, ein älterer Herr, war mit einer Kettensäge dabei, die Bäume zu zersägen. Wir boten unsere Hilfe an, die er dankend annahm. Wir starteten mit dem Abtransport der Reste der Bäume. Da schlechtes Wetter für die nächsten Tage angekündigt war, mussten wir unbedingt noch sein Dach mit Folien abdecken. So fuhr einer der Kollegen los, um Folie zu organisieren. Nach seiner Rückkehr begannen wir gemeinsam mit den anderen beiden Helfern, dass Dach mit der Folie abzudichten. Hier war etwas Eile geboten, denn für dieses Gebiet ist ab 20 Uhr ein Sperrstunde verhängt wurden und man kommt weder rein noch raus. Diese wurde verhängt aufgrund von Plünderungen. Nach Abschluss der Arbeiten hatten wir es bereits 19:30 Uhr. Wir verabschiedeten uns von dem Hausbesitzer. Bei der Verabschiedung stand er weinend vor uns, bedankte sich tausend Mal und sprach ein Gebet für uns. Ich habe noch nie einen Menschen erlebt, der so dankbar war, dass wir ihm geholfen haben. Das hat mich sehr gerührt und mir noch mehr Ansporn gegeben, diese Tätigkeit als Helfer an den folgenden Wochenenden fortzusetzen.

Auch für mich war es das erste Mal ein Dach zu reparieren. Aufgrund der Beschädigungen durch die Bäume war hier äußerste Vorsicht geboten.

Die Bäume waren größtenteils beseitigt, das Dach war provisorisch reparier und der Tag neigte sich dem Ende. Dieses Foto entstand auf Wunsch des Hausbesitzers als Erinnerung an die Helfer und seiner Dankbarkeit uns gegenüber.

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